Riviera dei Fiori, 


ein Reisebericht...



Copyright © 1998 Huschiar Madjidi


Albenga



Alassio Die Reise zur "Riviera dei Fiori", auf deutsch "Blumen Riviera" war eine spontane Idee.
Wohl eine Art Flucht in die Vergangenheit. Vielleicht wollte ich die angenehmen Erinnerungen, die mit diesem Stück Erde zusammenhängen wiedererwecken. Jedenfalls fing die Reise zur Mittagszeit im regnerischen und kalten Deutschland an.
Die Entfernung zu Ligurien beträgt von Frankfurt aus etwa 900 km und vorausgesetzt man fährt ausschließlich auf Autobahnen und bekommt auch in den langen und unzähligen Tunnels der Schweiz und Italien keine Platzangst, ist die Reise in gut 10 Stunden zu schaffen.
Dabei sind auch die üblichen Pausen miteingerechnet.


An der Schweizer Grenze, als ich die vorgeschriebene "Vignette" besorgen will, möchte ein freundlicher Grenzbeamter unsere Papiere unbedingt kontrollieren. Sein gutes Recht, allerdings ist es bei so vielen, die unkontrolliert die Grenze passieren, etwas auffällig. Man geht ja auch nicht davon aus, daß alle Italiener Mofiosis sind, nur weil die Mafia in Italien zuhause ist, oder?
Ebenso wenig können nicht alle Ausländer gesetztesuntreu und straffällig sein. Solche Vorurteile belasten mich ein wenig, aber was solls. Die Reise geht schließlich doch weiter.
Allasio, Altstadt


Alassio, der Promenade Wenn man durch die Schweiz reist, wird man ständig an die Prophezeihungen von George Orwell in "1984" erinnert, denn an jeder Ecke sind Überwachungskameras oder Blitzgeräte installiert.
Auch von den vielen Verkehrsschildern, die meist keine andere Aufgabe haben als die Bewegungsfreiheit der Autofahrer einzuschränken, fühlt man sich belästigt.
Wäre die einmalig schöne Schweizer Landschaft nicht gewesen, hätte sich eine Durchreise kaum gelohnt.
Die Italiener nehmen es im Vergleich zu den Schweizern mit der Grenzkontrolle nicht so genau und mit einer fast arrogant wirkenden Handbewegung wird uns angedeutet, daß wir die Reise ohne Unterbrechung fortsetzen können.


Die Fahrt von der italienischen Grenze bis zu unserem Zielort Alassio dauert ca. zwei Stunden. Der Autobahnabschnitt in Liguria besteht allerdings fast nur aus Brücken und teilweise dunklen Tunneln, begleitet von scharfen Kurven, so daß eine Geschwindigkeit von mehr als 100 km/h unmöglich erscheint. Wenn man allerdings von einem Italiener mit 180 Km/h überholt wird, sollte man sich nicht wundern, denn das setzt eine genaue Kennung der Strecke voraus.
Mag sein, daß die Italiener im allgemeinen sehr freundlich sind - beim Autofahren kennen sie keine Gnade. Zum Beispiel sind Lichthupen, die in Deutschland umstritten, gar verboten sind, in Italien eine ganz normale Methode um ungeliebten Autos, die die Überholstrecke versperren, aus Dem Weg zu schaffen. Das kann in der Nacht sehr unangenehm werden.
Ansonsten fahren die Italiener im Straßenverkehr ziemlich dizipliniert, so daß der deutsche Autofahrer sich sogar eine Scheibe davon abschneiden könnte. Auf der Autobahn ist es z.B. tabu von rechts zu überholen.
Alassio, der Promenade


Allasio, Altstadt Als wir um 22 Uhr in Laiguilla, einem Nachbarort von Alassio ankommen, ist die kleine Stadt wie ausgestorben. Ein von mir bevorzugtes Hotel nutzt die Nachsaison-Gelegenheit aus und macht gerade eine Totalrenovierung. Ein anderes neueröffnetes Hotel möchte 150.000 Lire, ca. 150 DM pro Nacht haben, etwas zuviel für uns, ich fahre auch nicht nach Ligurien um im Luxus zu leben.
Schließlich finden wir doch ein kleines Hotel, das uns für 70.000 Lire aufnimmt. Alles auf engstem Raum angepaßt.
Am nächsten Morgen müssen wir jedoch leider feststellen, daß es nur für eine Nacht war und "Albergo Eden" für diese Saison zumacht. Die Dame bittet uns auszuziehen. Ich hätte wohl besser verdeutlichen müssen, daß wir eine ganze Woche bleiben wollten.
Es bleibt unklar, ob es seitens der Hotelbesitzerin ein Versehen oder Kalkül war, uns nur für eine Nacht aufzunehmen.


Zum Glück finden wir aber noch am selben Tag ein besser ausgestattes und geräumigeres Zimmer in Alassio, was nur knappe 100m vom schönen Strand entfernt liegt. In der Hauptsaison wären die Hotels allerdings durchgehend ausgebucht, von daher sollte der Reisende während dieser Zeit nicht das Risiko eingehen, ungebucht von zuhause wegzufahren.
Zur erfolgreichen Zimmersuche sind auch die gut gemachten Webseiten, die sich mit Alassio und Liguria befassen nützlich. Die Internetadressen folgen im Anschluß des Reiseberichtes.
Alassio, der Strand


Allasio, Altstadt Ein ca. 10 km weit entfernter Campingplatz machte auch gerade zu. Wie gerne hätte ich dort ein Zelt oder einen Campingwagen gemietet. Der "vier Sterne" Platz bietet alle möglichen Einrichtungen, die man sich für ein paar schöne Urlaubstage wünschen kann. Umgeben von Oliven- und Feigenbäumen liegt er auf einem Hügel und hat mit den üblichen Campingplätzen, wo alles in Reihe und Glied angeordnet ist, nichts gemeinsam.
Der Platz ist nur ein Katzensprung vom Sportflughafen in Albenga entfernt, der die Alternative bietet, nach Albenga und Ligurien zu fliegen statt zu fahren.


Sowohl in Alassio als auch in Laiguillia findet man hervorragende Restaurants wo man unter anderem die typisch ligurische Küche kennenlernen kann, vor allem Fischgerichte. Die Preise kann man zwar allgemein nicht als günstig bezeichnen, allerdings bekommt man manchmal auch für 2.500 Lire eine kleine, leckere Mahlzeit.
Bemerkenswert fand ich auch die traditionsreiche Konditorei "Balzola" in Alassio, wo man eigene Produkte wie "Frutti di Mare"-Pralinen oder kandierte Früchte kaufen kann.
Grundsätzlich sind die Süßigkeiten in Italien wesentlich süßer, als man in Deutschland gewohnt ist, aber sie sind trotzdem unwiderstehlich.
Alassio, Promenade


Allasio, die kleine Kirche Alassio und Laiguilla sind Mitte des 19. Jahrhundert wegen des ungewöhnlich milden Klimas, was dort auch im Winter anhält, als beliebte Kur- und Aufenthaltsorte entdeckt worden. So ließen sich im Laufe der Zeit viele Ärzte, Botaniker oder reiche Leute in Alassio nieder.
Somit entwickelte sich diese kleine Stadt zu den beliebtesten Kurorten entlang der Riviera. Als Teil der Pracht vergangener Tage sind die wunderschönen Villen, zum Teil in Hotels umfunktioniert, erhalten.
Alles in allem präsentiert sich die kleine Stadt in altem und gepflegtem Glanz, vor allem die Altstadt ist z.B. fast so erhalten wie damals. Die Gehwege sind unterschiedlich bedeckt, teilweise mit teuren Granitsteinen und teils mit einfacheren Mosaiksteinen, größtenteils aber mit großen Basaltbrocken, die ihr Alter dadurch verraten, daß sie im Laufe der Zeit mit Fußtritten glatt gelaufen wurden. Nicht alles ist perfekt einheitlich und sauber, aber das ist gut so, denn dieses ungewollte Chaos vermeidet den Eindruck von Langeweile und Sterilität. Man merkt aber, daß man sich im Land der Natursteine befindet, denn Natursteine sind fast überall und oft zu sehen.


Das milde Klima, ein Hauptmerkmal der Rivieraorte, ist an der "Baia del sole" besonders mild. "Baia del sole", etwa mit "Sonnenbucht" zu übersetzen, ist ein trefflicher Name für diesen Abschnitt der Rivieraküste mit überdurchnittlicher Sonnenscheindauer und milden Temperaturen, auch in den Wintermonaten. Des Rätsels Lösung für dieses Phänomen ist die Hügelkette des Hinterlandes, die vor eisigen Winden schützt.


Wenn der Sinn der Urlaubsreise nur im Badeurlaub besteht, ist Ligurien nicht der richtige Platz dazu, denn die Wassertemperaturen sind nicht immer einladend. Wir hatten allerdings ziemliches Glück mit dem Wetter und konnten trotz Nachsaison fast jeden Tag die Sonne genießen und waren am Strand und im Wasser.


Das Denkmal für die gefallenen Soldaten im Zentrum von Alassio, im schönen Stadtpark wirkt prachtvoll aber etwas kitschig. Der Anlaß scheint mir umstritten, denn zuerst die "geliebten Söhne" als Kanonenfutter in den Krieg zu schicken und dann Denkmäler für sie zu erstellen kommt mir scheinheilig vor. Dies gilt wohl für alle Kriegsdenkmäler, egal wo sie sich befinden, aber das nur am Rande...

Urlaub in der Nachsaison in Ligurien zu machen hat schon seine Vorteile: Es ist weniger Andrang auf den Straßen, man hat viel mehr Bewegungsfreiheit und kann problemlos einen Parkplatz finden, was in der Hauptsaison wegen der vielen inländischen und ausländischen Touristen fast unmöglich ist.
Alassio, Altstadt


Allasio, die Palmen Zum Schluß möchte ich anmerken, daß der Sinn und Zweck einer Urlaubsreise nicht nur darin bestehen kann, ein paar schöne Tage im Ausland zum günstigsten Preis zu verbringen und evt. Bei einem Blick auf die Urlaubsphotos gelegentlich an diese Zeit zurückzudenken, sondern sollte auch dazu anregen, etwas von der Mentalität des Volkes mit nach Hause zu nehmen. Sprachkenntnisse erleichtern es, sich zumindest für diese paar Tage wie ein Italiener zu fühlen.
Zu den guten Eigenschaften der Italiener zählt wohl die Freundlichkeit in allen Lebenslagen.
Bemerkenswert finde ich auch, daß der Erhalt der Familie dort noch ganz groß geschrieben wird.
Oft ist es z.B. üblich, daß ältere Leute bis zum Lebensende ihre Zeit im Kreis der Familie verbringen und nicht mit dem Alter ins Altersheim abgeschoben werden. Aber wenn es später z.B. um Urlaub geht, fahren die Großeltern mit und passen auf die Kinder auf...

Auf der Rückfahrt haben wir uns etwas Zeit genommen und sind bis zum Asti über die Landstraße gefahren, um etwas mehr von Italien zu erleben.


Von Ligurien nehme ich nun zwei schöne Andenken mit nach Hause:
Eine Suppenteller aus Porzellan, mittlere Qualität als "Regalo", Werbegeschenk, weil wir in einem Supermarkt für ca. 24.000 Lire eingekauft haben und drei ziemlich neue Baby-Schnuler Marke "Janosch", die jemand im Sand am Strand begraben hat. Sicherlich hat sich auch die Mutti immer wieder darüber geärgert, wenn die Dinge verschwunden waren.

Es ist nicht die Aufgabe dieser kleiner Reiseberichtes die Sehenswürdigkeiten von Alassio oder Laiguilla aufzuzählen, denn hierzu ausführliche und gutgemachte Reiseführer schon vorhanden sind. Damit nicht jemand auf der Idee kommt mich wegen "Irreführende und falsche Angaben" zu verklagen, wenn etwa "Albergo Eden" später 80.000 statt 70.000 wie erwähnt verlangen würde, betone ich, daß es bei diese Notitzen nicht um eine wissenschalftliche Studie handelt und keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Es handelt sich lediglich um persönliche Erfahrungen des Verfassers, die durch mehrmalige Ligurien-Besuche gesammelt sind.



Einige Surftips zum Thema Ligurien:


Sito ufficiale della Regione Liguira
http://www.regione.liguria.it/


ALASSIO - Italian Tourist Web Guide
http://www.itwg.com/ct_00058.asp


RIVIERA LIGURE DELLE PALME
ALASSIO & LE BAIE DEL SOLE
http://www.italianriviera.com/


Alassio-online
http://www.ivg.it/alassio/





IMPRESSUM:

Huschiar Madjidi

© 1998 Surfboard Homepage:
http://www.netandmore.de/

Alassio, Altstadt