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Die Umsetzung eines Webseitenlayouts vom ersten Entwurf auf dem Papier bis
hin zur Fertigstellung auf dem Screen in HTML und CSS lässt gerade bei
Anfängern Gedanken an die Usability (Benutzbarkeit) und Accessibility
(Zugänglichkeit) vermissen. Oft werden auch elementare Dinge des
Webauthorings außer Acht gelassen. Ein Webautor neigt sehr schnell dazu,
von seiner eigenen Testumgebung und seinen eigenen Surfgewohnheiten
auszugehen und von seinen eigenen Möglichkeiten und seiner eigenen
technischen Ausstattung auf die der potentiellen Besucher seiner Website zu
schließen. Jedoch gibt es viele Möglichkeiten, in welcher Weise ein User
eingeschränkt sein könnte:
- Er ist sehbehindert und daher nur dann in der Lage, Text auf dem Bildschirm wahrzunehmen, wenn dieser groß genug ist.
- Er ist nicht in der Lage, Farben voneinander zu unterscheiden.
- Er ist womöglich nicht in der Lage, von einer Maus Gebrauch zu machen.
- Er verfügt nicht über einen Grafikbrowser, sondern ist auf einen Textbrowser wie z. B. Lynx angewiesen.
- Der User nutzt einen anderen Browser, einen alten Browser, oder ein völlig anderes Betriebssystem. Womöglich surft er über eine Konsole oder über das Fernsehgerät.
- Er hat womöglich nur einen sehr kleinen Bildschirm mit sehr niedriger Auflösung.
- Die Internetverbindung ist sehr langsam.
- Die Umgebung, in der der User sich befindet, lässt eine ruhige Aufnahme der gebotenen Information nicht ohne Probleme zu (Straßenbahn).
Die Frage ist nun: Was muss ich bei der Erstellung meines Seitenlayouts und
bei dessen Umsetzung beachten, um all diesen Bedürfnissen am besten zu
entsprechen?
Das W3C (World Wide Web Consortium) hat am 5. Mai 1999 seine Empfehlung
"Web Content Accessibility Guidelines 1.0" veröffentlicht, die als
"Zugänglichkeitsrichtlinien für Web-Inhalte 1.0" übersetzt und unter:
http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/webinhalt.html
veröffentlicht worden sind. Diese Richtlinien erläutern, wie Web-Inhalte
zugänglich gemacht werden können. Diese FAQ ist eine erläuternde
Zusammenfassung dieses Artikels, ergänzt durch einige weitere Links.
Richtlinien:
Trenne Struktur ("Markup" -> HTML) und Layout ("Styling" -> CSS).
Im Laufe der Jahre wurde HTML immer komplexer und durch proprietäre
Elemente und Attribute durchsetzt, so dass eine einwandfreie
Zugänglichkeit von Webseiten nicht mehr auf jedem System gegeben war. Die
Einführung von CSS als Sprache zur Definition von Formateigenschaften
einzelner HTML-Elemente und die Reduzierung von (X)HTML auf das reine
Markup soll den problemlosen Informationsaustausch wieder gewährleisten.
Zudem vereinfacht eine Trennung von Markup und Layout die
Webseitenerstellung erheblich.
Schreibe korrektes HTML und korrektes Markup.
HTML-Elemente sollten ihrer logischen Bedeutung entsprechend eingesetzt
werden. Ein großer Fehler ist es, Listen nicht mit Elemente wie 'ul' und
'li' oder Tabellen nicht als Konstruktionen mit 'table', 'tr' und 'td' zu
gestalten, sondern normale Absätze oder preformatierten Text zu
verwenden. Nutze logische Textauszeichnung ihrem logischen Sinn
entsprechend und verzichte auf Elemente wie 'code' oder 'cite', wenn es
dir nur auf die optische Darstellung des Textes ankommt. Versuche eine
korrekte Dokumentenstruktur mit Elementen wie Überschriften ('h1', 'h2'
usw.) hierarchisch aufzubauen. So ist es gewährleistet, dass Browser, die
kein CSS darstellen können oder rein textbasierend sind, trotzdem die
logischen Strukturen der Webseite erkennen und verdeutlichen können.
Halte dich an die W3C-Spezifikationen.
Ein Kriterium für die browserunabhängige Darstellung deiner Webseite ist
auch eine Validierung des HTML-Quellcodes und des CSS-Stylesheets. Mehr
dazu unter http://www.mywebresource.de/html/guides/validhtml.htm und
http://www.netandmore.de/faq/cgi/fom?file=650.
Welche Validatoren du nutzen kannst, erfährst du unter http://www.netandmore.de/faq/cgi/fom?file=471.
Kennzeichne Links ganz eindeutig als solche und mache klar, wo der
Navigationsbereich deiner Webseite ist und wie die Navigation
funktioniert. Belasse die Navigation immer an der gleichen Stelle und
ermögliche es dem Benutzer, durch einen einzigen Klick immer auf die
Hauptseite zurückzukehren. Informationen über die Gestaltung von Links
findet ihr unter http://www.mywebresource.de/html/guides/hlinks.htm.
Langsam sollte man auch dem 'link'-Element in HTML ein wenig mehr
Beachtung schenken. Auf der Seite
http://gutfeldt.ch/matthias/translation/LINK/ findet ihr eine
Übersetzung von Matthias Gutfeld eines sehr guten Artikel von Sander
Tekelenburg. zum Thema.
Sorge dafür, dass Farben eine Seite strukturieren und ihre Benutzbarkeit
unterstützen.
Nach welchen Gesichtspunkten Farben auf der Webseite ausgewählt werden,
habe ich in http://www.mywebresource.de/html/guides/webfarben.html
versucht, deutlich zu machen.
Bedenke dabei auch, dass die Seite auch dann funktionieren soll, wenn der
User die Farben nicht wahrnehmen kann. Besonders wenn Vorder- und
Hintergrundfarbe sich im Farbton zu sehr ähneln, kann es Menschen mit
Störungen des Farbensehens unmöglich sein, das entsprechende Element noch
wahrzunehmen. Interessant in diesem Zusammenhang sind die sogenannten
Ishihara-Tafeln: http://www.roost-optik.ch/farben-t.htm.
Bedenke auch noch, dass es noch Schwarz-Weiß-Monitore gibt, die nur
Kontraste und Helligkeiten, nicht aber Farben unterscheiden können.
Halte die Webseite frei skalierbar und verzichte auf eine feste Vorgabe
eines Seitenlayouts in Pixeln oder dergleichen absoluter Angaben.
Je nach Bildschirmauflösung oder Sehvermögen des Users kann eine Seite
durch absolute Angaben, z. B. bei Schriftgrößendeklarationen, unbrauchbar
werden. In jedem Browser kann man die Schriftgröße frei skalieren. Im
Internet Explorer funktioniert dies zum Beispiel unter 'Ansicht ->
Schriftgrad'. Werden feste Schriftgrößenangaben (wie z. B. 12px)
festgelegt, ist es dem User nicht mehr möglich zu entscheiden, in welchen
Größenrelationen er sich die Webseite ansehen möchte. Gerade
sehbehinderten Menschen könnte so die Seite völlig unzugänglich gemacht
werden.
Auch für das Seitenlayout sollten feste Größenangaben vermieden werden,
da es sonst je nach Fenstergröße und Auflösung zu Darstellungsproblemen
kommen kann.
Welche Einheiten für Größenangeben es gibt, hat Björn Höhrmann in dem
Artikel http://www.netandmore.de/faq/cgi/fom?file=414
erläutert.
Verzichte auf spezielle Techniken wie Javascript oder Flash, wenn diese
die Zugänglichkeit der Seite erschweren, wie z. B. bei der
Seitennavigation.
Lasse keine Pop-Ups erscheinen und wechsele das aktuelle Fenster (z. B.
durch Attribute wie 'target="_blank"') nicht, ohne den Benutzer darüber
zu informieren.
Sorge dafür, dass bewegte, scrollende oder andere sich automatisch
ändernde Objekte oder Seiten angehalten oder gestoppt werden können.
Dies gilt auch für Töne auf der Seite, wie zum Beispiel Hintergrundmusik,
da diese den Besucher belästigen könnten.
Verzichte auf Frames.
Michael Nahrath hat dies auf http://www.subotnik.net/html/frames.html
näher erläutert.
Erstelle die Dokumente so, dass sie nicht von einem bestimmten Browser,
einem bestimmten Betriebssystem (Windows) oder einer bestimmen
technischen Ausstattung (Javascript, Flash, DSL-Flatrate) abhängig sind.
Überprüfe deine Seite daher immer in mehren Browsern.
Wer modernes HTML schreibt, kommt nicht an intensiven Tests auf
unterschiedlichen Systemen vorbei. Zur Zeit sollte man seine Seiten immer
in den folgenden Browsern auf Zugänglichkeit und Benutzbarkeit testen:
IE4, IE5.5, NN4, NN6 (bzw. Mozilla 0.9), Opera5.x, Lynx, und dabei am
besten auf unterschiedlichen Betriebssystemen wie Windows NT, Windows 98
oder MacOS. Einen Lynx-Viewer findet ihr unter
http://www.delorie.com/web/lynxview.html.
Gerade der NN4 macht viele Probleme, wenn es um moderne CSS-Techniken
geht. Eine Entscheidungshilfe, inwiefern auf den NN4 noch Rücksicht
genommen werden sollte, findet ihr unter
http://www.mywebresource.de/html/guides/nn4.htm. Informationen darüber,
inwieweit Browser CSS unterstützen erhaltet ihr unter
http://css.nu/pointers/bugs.html und
http://www.webreview.com/style/css1/charts/mastergrid.shtml.
Stelle Text bereit oder nutze Text-Äquivalente.
"Text-Äquivalente" sind Bestandteile von HTML wie z. B. das
'alt'-Attribut für Bilder. Text-Äquivalente werden angezeigt, wenn der
User-Agent (der Browser) das Nicht-Text-Element (wie z. B.
Flash-Animationen, Bilder oder Audiodateien) nicht darstellen kann.
Wichtig ist diese Alternative unter anderem für sehbehinderte Menschen,
deren Browser eine Sprachausgabe hat, die dann auf Text-Äquivalente
zurückgreift. Vergleiche dazu:
http://www.w3.org/Consortium/Offices/Germany/Trans/WAI/webinhalt.html#gl-provide-equivalents
Weitere Literaturtipps:
Michael Jendryschik . http://jendryschik.de/
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