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Interview
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Huschiar: Hallo Ralph. Danke, daß Du Dich zu einem Interview mit
Surfboard zur Verfügung gestellt hast. Nun, wir kennen uns
online ja schon ziemlich lange. Ich glaube wir hatten
die ersten Mailkontakte im Mai '96 und seitdem hat
sich bei Dir, was Deine Internet-Aktivitäten
angeht, einiges getan. Am besten erzählst
Du einfach mal etwas darüber, wie Du angefangen hast bzw.
welche Beweggründe Du am Anfang hattest.
Ralph: Im März '96 hatte ich meinen ersten Online-Tag. Ich spielte aber schon
viele Monate mit dem Gedanken, mir einen Internet-Account zu besorgen,
weil ich das Gefühl hatte, ich würde etwas wichtiges verpassen. Den
Anstoß bekam ich dann auf meiner neuen Arbeitsstelle als pädagogischer
Mitarbeiter in einem Bildungswerk. Ich hatte das Glück, einem Standort
zugeteilt worden zu sein, der z.B. Internet-WorkShops organisierte. In
dem Zusammenhang steht auch meine erste Beschäftigung mit HTML. Da
meine grafischen und typographischen Arbeiten bei den Mitarbeitern sehr
gut ankamen, fragte mich ein Lehrgangsleiter, ob ich nicht ein paar
schöne Seiten für das Bildungswerk machen wolle. Ich hatte drei Wochen
Zeit, um Sie für einen hausinternen Workshop auf die Beine zu stellen.
In den drei Wochen habe ich kaum geschlafen. Das Ergebnis war eine
Arbeit, die mich und andere auf den Geschmack brachten.
Huschiar: Dein erstes Projekt war ja "Home", Deine
Homepage. Du hast für "Home"
bereits einige Auszeichnungen erhalten. Worüber
freust Du Dich am meisten?
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Ralph: HOME ist mein Lieblingskind, eine Art Experimentierfeld für Layout und
Grafik in HTML. Und natürlich freue ich mich über jede Anerkennung für
meine Arbeit. Ich habe keinen Lieblingsaward. Am liebsten sind mir die,
die man mir nicht im Fließbandverfahren verlieh und die, die grafisch
gelungen sind.
Huschiar: Danach kam Deine Webseite "KriT" und Dein begehrter
Preis "Kritapfel". Erzähl doch mal bitte etwas
über "KriT".
Ralph: HOME und KriT gehören zusammen. In den letzten Monaten habe ich daran
gearbeitet, beide Projekte besser miteinander zu verbinden. Das
Cyberzine KriT war eine spontane Aktion.
Es ist eine Art unbeabsichtigtes Alleingang-Projekt. Vor fünf Monaten
spürte ich das Bedürfnis zu schreiben, um meine Erfahrungen mit dem
Web auf den Punkt bringen zu können. Und ich hatte Lust, etwas Neues zu
gestalten. Ein zentrales Motiv war, eine gute minimalistische Gestaltung
mit weißem Hintergrund (*bgcolor*) hinzubekommen und desweiteren über
Mail- oder Online-Interviews engagierte Surfer und kreative
Webseitenmacher vorzustellen (hier ist dann auch wieder der Zusammenhang
zu HOME hergestellt, weil ich dort ja kontinuierlich kreative Seiten
vorstelle).
Inhaltlich kam mir zudem die Idee, einige satirische Gedanken
auszuformulieren und des weiteren einen Report über Web-Business zu
schreiben, der einmal diese unsäglich vielen Versprechen und
fadenscheinigen Argumentationen für eine Web-Präsenz unter die Lupe
nimmt. Zudem störte mich der in diesem Zusammenhang immer wieder
auftauchende Begriff "Webdesign", der hier doch in vielen Fällen nichts
anderes meinte, als langweilige Webseiten, die ich in einer
Viertelstunde mache. Nun, dachte ich dann, warum machste kein E-Zine
daraus und versuchst auf diesem Wege, andere Surfer für die Mitarbeit
zu gewinnen. Aus der kontinuierlichen Mitarbeit wurde dann aber nichts,
trotzdem brachte mich die positive Resonanz dazu, KriT weiter
auszubauen.
Betonen möchte ich, daß ich für meine Arbeit viele kleine und
wichtige Anregungen über andere Seiten und direkte Kontakte bekam,
die mich inspirierten und mir neue Erfahrungen ermöglichten. Das
bezieht sich vor allem auf die Webseitengestaltung und -konzipierung wie
auch auf die Textarbeit.
Meine Arbeit für KriT ist sehr spontan. Wenn mich ein Thema gepackt
hat, werde ich aktiv und nutze jede freie Minute, um es gestaltersich
und inhaltlich umzusetzen. Ein Beispiel ist mein Text über Pornographie
im WWW. Da hatte ich ein unvorhergesehenes Surferlebnis mit
Hard-Core-Pornographie, die leicht zugänglich war, und ich dachte,
daraus machste einen Artikel, den du illustrierst mit wirklich
erotischen Bildern aus dem Netz.
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Huschiar: Ich habe mich immer gefragt, warum Du
gerade einen Apfel als Symbol für Deine Auszeichnung genommen hast. Möchtest
Du dazu etwas sagen? Wie kommt man zum Kritapfel? Nach welchen Kriterien wird beurteilt?
Ralph: Zuerst war der Zufall, dann die Idee, ob Du es glaubst oder nicht. Ich
probierte gerade das schreckliche *Corel Dream 3D* aus und darin war
auch ein Apfel, den verändere ich etwas und schon hatte ich den
KriT-Apfel. Der Apfel ist ein vielschichtiges Symbol. Ich denke beim
Apfel an die biblische Geschichte vom Sündenfall, die einfach eine
zeitlose Metapher dafür ist, daß wir Menschen mit der Fähigkeit der
Selbsterkenntnis zwischen Mann und Frau, zwischen gut und böse
unterscheiden können. Weitergedacht bedeutet das auch, daß wir im
Leben ständig Stellung beziehen und uns selbst definieren müssen, wenn
wir dem Paradies wieder etwas näher kommen wollen. Zudem ist der Apfel
in den verschiedensten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und Leben.
Somit bringt die Symbolik des Apfels auch meine wichtigsten Kriterien
bei der Auszeichnung von Seiten auf den Punkt: Engagement,
Individualität und Lebendigkeit.
Huschiar: Machst Du auch andere Projekte außer
"Home" und "KriT"? Inwieweit arbeitest Du mit anderen Webprojekten zusammen? Hast Du diesbezüglich
weitere Pläne?
Ralph: KriT hat als Partnerprojekt das einmalige E-Zine "Missing Link" von
Claudia Klinger. Wir denken, daß sich unsere Projekte sehr gut
ergänzen und tauschen deshalb z.B. Beiträge durch direkte Links aus.
Heißt, wenn mir ein Artikel von Missing Link auch für KriT besonders
geeignet erscheint, so stelle ich ihn auf KriT vor und baue einen
Hyperlink dazu ein.
Huschiar: Welche Erfahrungen hast Du oder habt Ihr mit der
Mailingliste "Webkultur" gemacht? Worum geht
es da eigentlich?
Ralph: Die Liste ist ein von Claudia Klinger und mir im November 1996
initiertes Diskussionsforum. Wir wollen darüber Austausch und
Begegnung im WWW und übers WWW praktizieren. Die Mailinglist "Webkultur"
soll ein Forum für Onliner sein, die das WWW engagiert und
menschenfreundlich gestalten wollen. Wir haben schon über 70 Teilnehmer
und es laufen interessante Diskussionen über Kommerzialisierung des
Web, über die Zukunft der Initiative "Webkultur", über Medienkompetenz
und die Glaubwürdigkeit von Information im Internet sowie über
organisatorische und gestalterische Probleme. Diese ließen uns fragen,
wie wir die Diskussionsthemen auch im WWW für andere Surfer sinnvoll
und komfortabel zugänglich machen und wie wir uns generell nach außen
hin präsentieren könnten. Es haben sich Teilnehmer gefunden, die
kümmern sich jetzt um die Themen der Liste, indem sie sie webgerecht
aufbereiten. Ich habe unterdessen eine Mainsite mit Logo gemacht, von
der aus sich die Umherirrenden und Suchenden im Web über die Homepages
der Listenteilnehmer und die Diskussionsthemen informieren können. Eine
spannende Sache ist das, die hoffentlich Vorbildcharakter haben wird.
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Huschiar: Dein Name ist in der deutschsprachigen
Internet-Landschaft mittlerweile ein Begriff.
Kann man hier von einer "Karriere im Internet" sprechen?
Ralph: Sicher, in einer bestimmten Szene ist mein Name bekannt und löst, so
hoffe ich doch, angenehme Assoziationen aus. ;-) Ich denke aber, daß es
verschiedene Szenen im WWW gibt und daß mein Umfeld im Web nur ein
kleiner Ausschnitt ist. Von Karriere im Internet würde ich erst
sprechen, wenn ich mit kommunikativer und gestalterischer Web-Arbeit
auch Geld verdienen würde.
Huschiar: Du hast bereits zwei Webprojekte am laufen und
ein drittes hast Du zusammen mit Claudia Klinger begonnen. Dazu
kommt Eure Mailingliste "Webkultur".
Das erfordert viel Engagement und großen Zeitaufwand:
der unermüdliche Ralph Segert? Wie schaffst Du das alles?
Ralph: Das ist ganz einfach: Wenig schlafen, kaum ausgehen und täglich 12-15
Stunden vor dem PC sitzen. Aber Ironie beiseite. Ich arbeite im Schnitt
- die Arbeit für den Lebensunterhalt und die Web-Arbeit zusammengenommen
- 60 bis 70 Stunden die Woche und ich bin völlig urlaubsreif. Ich würde
mich hingegen als süchtig diagnostizieren, wenn ich Tanzen und Lesen, meine
Musik und die geselligen Treffs nicht mehr genießen könnte.
Aber ich möchte diese Spannung bei der Arbeit nicht mehr missen. Es ist
ein ständiges Suchen, Probieren und Lernen, das zu Ergebnissen führt,
die nicht vorherzusehen waren. Solange ich das noch kann, werde ich
weiter viel Zeit investieren.
Huschiar: Mittlerweile kannst Du sehr viele Erfahrung im
Internet vorweisen? Welches Ereignis hat Dich am meisten
gefreut? Wann warst Du enttäuscht?
Ralph: Es ist ein alltägliches sich freuen und ärgern. Die Freude überwiegt
aber. Da kommen Mails, die mich erfreuen und motivieren. Dann habe ich
letztens ne Domain gewonnen, die ich für zukünftige Ideen ganz gut
gebrauchen kann. Außerdem steigen die Zugriffszahlen auf HOME und KriT
in letzter Zeit doch beträchtlich an und ich stelle fest, daß vor
allem Nordamerikaner meine Gestaltungsarbeit zu schätzen wissen. Ich
sehe, daß man durch meine Arbeit lernt und sich angeregt fühlt, das
freut mich am meisten. Es ist zu vergleichen mit meiner Arbeit als DJ
für Black Music, wenn die Gäste glücklich sind, dann bin ich es auch. |
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Huschiar: Ich habe mit großem Interesse die von Dir und Gerd Marstedt
initiierte Diskussion über Surf-Erfahrungen und
die Zukunft im Netz verfolgt und auch meinen Beitrag beigesteuert.
Kannst Du vielleicht in wenigen Sätzen einen Extrakt der Inhalte und
Ergebnisse der Diskussionen wiedergeben?
Ralph: Ich habe beim Lesen und Redigieren meinen Web-Horizont erweitert, weil
in den Texten viele interessante Perspektiven und Anregungen enthalten
sind. Das war sehr spannend. Ein Ergebnis in ein paar Worte fassen, ist
schwer. Gerd Marstedt und ich werden bald noch eine Zusammenfassung
schreiben.
Huschiar: Nun eine Frage zur Technik: Was sind Deine Lieblingswerkzeuge
beim Erstellen der Webseiten?
Ralph: Ich empfehle den HTML-Editor *WebEdit Pro*. Er arbeitet sehr
zuverlässig und hat ne Menge Features, die das Arbeiten effizienter
machen. Meine Grafiken bearbeite ich mit CorelDraw, PhotoPaint und
gelegentlich Photo-Shop. Im Moment versuche ich mich auch mit dem
Director 5.0 (auch berufsbedingt) von Macromedia anzufreunden. Da werde
ich bestimmt bald in meiner Shock Gallery ein paar Shockwave-Filme von
mir einbauen. Um mich mit verschiedenen Accounts einzuwählen und
meine Online-Kosten zu kontrollieren, benutze ich die sehr
empfehlenswerte Shareware *RAS Pro* von Frank Thomas Schweitzer. Mein
Browser ist der Netscape Navigator 3.01. Den Netscape Communicator 4.0
probiere ich auch schon aus und ich muß sagen, sehr vielversprechend,
mit vielen kleinen Verbesserungen! Es macht richtig Spaß damit. Aber
die Beta 1 ist noch nicht so stabil. Also Vorsicht.
Huschiar: Weißt Du irgendwelche heißen Surftips für
Surfboard-Besucher?
Ralph: Da kann ich nur einen Besuch bei HOME empfehlen :-) Eine Entscheidung
fällt einfach schwer: Aber folgende Seiten sind bestimmt nicht sehr
bekannt bei Surfboard-Besuchern, also empfehle ich diese kleinen
Meisterwerke der liebevollen und gekonnten Webseitengestaltung und
Grafikbearbeitung einfach mal:
Huschiar: Zum Schluß möchte ich mich noch herzlich für
das Interview bedanken und wünsche Dir und Deinem Team
viel Erfolg für 1997.
Hast Du noch eine kleine Botschaft für Surfboard?
Ralph: Gern geschehen! Ich wünsche Euch alles Gute fürs neue Jahr und bleibt
bitte weiterhin so aktiv fürs Web.
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