Tamagochis...oder der ganz normale Wahnsinn! 

von Josephine D´Jardin 
 

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Piep Piep Piep......ja, Hallo?......ups Freizeichen.....Piep Piep Piep......wo ist mein Handy? Hm das war es auch nicht......Piep Piep  Piep.....wo kommt das Geräusch nur her? Es raubt mir noch den letzten Nerv. Und schon mache ich mich auf die Suche nach der Quelle dieser Störung und siehe da, ganz tief in den Kissen vergraben, liegt auf meinem Sofa dieses kleine Ei und gibt dieses penetrante Piepsen von sich. Wie nur bringt man das Ding zum Schweigen?

Seit vor einiger Zeit dieses kleine Ungetüm auf den Markt der gesättigten konsumgeilen Mediengenerationskinder erschienen ist, dreht sich alles nur noch um dieses pflegeleichte, kostengünstige, stubenreine und dazu auch noch leicht zu entsorgende  (im Falle des frühzeitigen Verscheidens) Haustierchen. Ein bißchen virtuell füttern, spielen, verarzten, saubermachen und falls mal was schiefgeht und das arme Geschöpf in die ewigen Bytegründe des Cyberhimmels entschwebt, genügt ein Knopfdruck und ein neues Tierchen schlüpft, so einfach ist das.
Nur ein ganz normales Spielzeug? Ein netter Einfall innovationsmüder Computerspezialisten? Oder doch viel mehr?
Ersatz für das ungeliebte Haustier, daß vielen Kindern vorenthalten bleibt, weil die Eltern sich vor der Verantwortung fürchten, neben den lieben Kleinen  noch ein Lebewesen zu versorgen?
Pädagogisches Hilfswerk zum erlernen bewußten Handelns? Nur wo bleibt das soziale Nebeneinander,daß man doch  nur mittels eines Lebewesens aus Fleisch und Blut erlernen kann? Viele Kinder sind nach Dauerumgang mit den Tamagochis nicht mehr fähig Realität und Fiktion zu unterscheiden. Sie geraten in Panik, wenn ihnen in der Schule nicht gestattet wird, sich prompt um den sich  lautstark meldenden Freund zu kümmern ,eventuell das virtuelle Häufchen zu entfernen oder ähnliches. Sie erleben wahre Trauer über den Verlust ihres unrealen Freundes und verschütten Herzeblut wenn es mal nicht mehr ist.

Wie weit kann und darf diese Unwirklichkeit in unseren Kinderzimmern Einzug halten? Was kommt als nächstes? Vielleicht die virtuellen Eltern, die zwar stets anwesend , aber dafür kalt und funktionstüchtig, solange die Batterien nur halten?  Wie schön wäre es, wenn statt dessen unseren Kindern wieder erlaubt wird, die wunderschöne verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, ein eigenes lebendes Tier zu versorgen und zu erkennen, daß die Eltern ihm mit Rat und Tat bei dieser oftmals schweren Last und Lust zur Seite stehen, anstatt immer den bequemeren Weg über die Elektronik zu gehen. Nach Game Boy nun das Tamagochi.

Piep Piep Piep......für mich ist  dieses Ding einfach nur ein lästiges piepsendes Etwas, das man so schnell wie möglich im Klo ertränken sollte, wo es allenfalls durch dieses durchdringende Geräusch für den Vertrieb der Ratten aus der Kanalisation sorgt.
Piep Piep Piep.....Vielleicht erhänge ich es aber  auch oder ich bitte den freundlichen Bauarbeiter unten auf der Straße, ihm durch den Preßlufthammer ein Ende zu bereiten. Piep Piep Piep....Piep Piep Piep 

 

Buchwand 

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